Ethik im Fetisch: 7 Säulen für gesundes Kinky-Verhalten

Heute wird es schwergewichtig: Wir betrachten gemeinsam mit der Erotikautorin Lala Idrisse das Thema Ethik und Fußfetisch.


Wir basteln kinky Captions (also heiße Bilder mit frechen Sprüchen drauf) für den Tumblr-Blog von Lala Idrisse. Wir beschäftigen uns alle beinahe täglich mit Erotik und loten dabei aus, wo diese für uns beginnt – und vor allem, wo sie endet. Unsere Fragen setzen oftmals an bei „passt dieses Bild zum Erotikstil von Lala Idrisse?“ oder „könnte diese Aussage auch in einem ihrer Bücher stehen?“ Manchmal, wenn die Inhalte besonders knackig werden, lauten unsere Fragen allerdings auch: „Geht das zu weit? Überschreitet dieser Beitrag eine Grenze, die eine Trigger-Warnung rechtfertigt?“

Das begegnet uns meistens bei Themen, die mit krasser Erniedrigung spielen. Wenn wir Inhalte posten, die weit über das frech-dominante „Na, du kleiner Sklave?“, verbunden mit einem Bild hübscher Füßchen, hinaus gehen. Dann fragen wir uns: „Wir haben gerade eine Szene beschrieben, die ohne den Erotik-Kontext in einem sadistischen Thriller Platz fände. Sagt mal, ist das eigentlich… irgendwie noch okay, was wir hier raushauen? Sind wir eigentlich noch okay? Hat uns die allzeit verfügbare Erotik im Internet vollends im Griff und wir merken gar nicht mehr, dass wir in einem abstrusen Kink-Strudel versunken sind, der jeden zufällig auf uns treffenden „Normalo“ abstoßen würde?

Eine attraktive Frau in knappem Outfit sitzt in einem BDSM-Studio.

Oder andersherum: Sind wir etwa geistig dermaßen emanzipiert, dass wir uns für die schiere Freizügigkeit unserer Arbeit auf die Schulter klopfen sollten? Müssen wir vielleicht, statt einen Abstieg in den düsteren Perversen-Keller, viel eher feiern, wie erhaben und frei wir im Ausleben unserer Sexualität bereits sind?

Hilf uns, Ethik!

Die 7 Säulen der Ethik im Fetisch

Gemeinsam mit Lala Idrisse haben wir uns überlegt, wie und wo der Ethik im Fetisch Raum gegeben wird. Wir können bereits vorausschicken: Mit dieser Liste – und dem Wissen, dass wir unsere eigenen Kinks stets innerhalb ihrer Grenzen ausleben und auch unsere Inhalte nicht gegen diese Verstoßen – haben wir uns selbst ganz schön beruhigt.

Säule #1: Einvernehmlichkeit

Die Grundlage für ethisches Verhalten ist die Einvernehmlichkeit aller Beteiligten. Offene Kommunikation über Wünsche, Grenzen und Erwartungen ist entscheidend. Beide Partner sollten sich wohl und respektiert fühlen.

Säule #2: Würde

Der Fetisch sollte auf eine Weise ausgelebt werden, die die Würde und den Wert aller Beteiligten wahrt. Eine Objektivierung oder Reduzierung des Partners auf den Fetisch sollte vermieden werden. Wichtig ist: Auch die devote Rolle besitzt würde, selbst wenn das gemeinsame Spiel darauf abzielt, diese zu nehmen.

Säule #3: Privatsphäre

Das Ausleben des Fetischs sollte in einem privaten, geschützten Rahmen stattfinden. Öffentliche Zurschaustellung ohne Einwilligung aller Anwesenden ist problematisch.

Säule #4: Gesundheit

Besonders bei Praktiken, die direkten Kontakt mit Füßen beinhalten, müssen Hygiene und Gesundheitsaspekte beachtet werden. Sauberkeit und Vorsicht sind wichtig, um Verletzungen oder Infektionen zu vermeiden.

Säule #5: Grenzen respektieren

Es ist wichtig, die eigenen Grenzen und die des Partners zu kennen und zu respektieren. Kein Partner sollte sich zu Handlungen gedrängt fühlen, mit denen er sich unwohl fühlt.

Säule #6: Ausgewogenheit

Der Fetisch sollte nicht die gesamte sexuelle Beziehung dominieren, es sei denn, beide Partner wünschen dies ausdrücklich. Eine ausgewogene Intimität ist wichtig für eine gesunde Beziehung. Hier spielt auch der Aspekt der After-Care mit hinein: Nach einer gemeinsamen Session holen sich alle beteiligten Partner wieder auf den Boden der Tatsachen zurück.

Säule #7: Legale Aspekte

Alle Aktivitäten sollten im Rahmen der geltenden Gesetze stattfinden. Dies betrifft insbesondere den Umgang mit Minderjährigen oder nicht einwilligungsfähigen Personen.

Fazit

Der Konsens ist die heilige Kuh der kinky Community. Diese Kuh wird – wann immer genannte Community sich in Aufregung über eine neue kinky Idee befindet – bis zur Erschöpfung durch das Dorf getrieben, so dass man meinen könnte, die Kuh sei eine arme Sau. Wir wollten uns mit diesem Beitrag einmal gedanklich fort vom alle stimmen zu, also ist es okay-Mindset bewegen und uns Fragen, wo wirkliche Grenzen des Kink liegen könnten. Unser Ergebnis sind die genannten sieben Säulen. Wir glauben, durch die Beachtung dieser Aspekte kann der Fetisch auf respektvolle und verantwortungsvolle Weise ausgelebt werden. Ziel sollte sein, das Wohlergehen und die Würde aller Beteiligten in den Vordergrund zu stellen.

Was denkt ihr?


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